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Matthias

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Freitag, 25. Januar 2013, 12:19

Drillmethoden,Formationen und Einheiten im 17.-19. Jhd

Drillmethoden und Einheitenformationen im 17.-19.Jhd

Nach der Einführung von Schwarzpulverwaffen änderten sich auch die Militärstrategien, Einheitenformationen und Drillmethoden.
Im Zuge des 30 jährigen Krieges wurden vermehrt Luntenschlossmusketen und Vorderladerkanonen eingesetzt.
Dies machte Rüstungen und Nahkampfeinheiten ineffektiv. Nichtsdestotrotz trugen die ersten Luntenschlosseinheiten
noch Helm und Rüstungen.

Nach Erfindung des Steinschlosses wurden die europäischen Armeen umgerüstet.
Das Steinschloss setzte sich im Jahr 1704 durch und verdrängte das Luntenschloss gänzlich aus modernen Armeen.

Die schnellere Nachladegeschwindigkeit und die Möglichkeit, Bayonette aufzusetzen brachte neue Möglichkeiten für
die Militärgeneräle. Vorallem nach der Entdeckung der Laufzüge, konnte man sogenannte Plänkel-Einheiten als
Vorhut aussenden oder mit Ihr die Flanken schützen. Somit wurde die Linieninfanterie während des Vormarsches vor
sporadischem Beschuss weitestgehend geschützt.

Darüberhinaus wurde zur Aufrechterhaltung des Feinbeschusses folgende Drills entwickelt:

- Gliedweises Feuern (3 Glieder feuern abwechselnde Salven)
- Pelotonfeuerdrill (Peloton-Feuer-permanentes Dauerfeuer)

Die Weiterentwicklung der Artillerie ermöglichte durch neue Kanonentypen wie Mörser, Haubitzen und Artillerie-Kavallerieeinheiten
eine flexiblere Verwendung und sorgte dafür, dass die Artillerie deutlich an Wert gewann.

Nun konnte man mit einer guten Artillerie eine eventuell verlorene Schlacht wenden !

Neben der Infanterie und Artillerie brachten die Neuerungen auch neue Kavallerieeinheiten hervor.
Darunter vielen Dragonerregimenter, Husareneinheiten und andere leichte Kavalleristen.
Man setzte kaum bis gar nicht auf Rüstungen. Dagegen war die Schnelligkeit und Stoßkraft einer
Reitereinheit nun umso wichtiger. Ein gut geplanter Kavallerieangriff in die Flanke einer Einheit
kann diese ins Verderben stürzen.

Somit waren schnelle, leichte Reitergruppen sehr gefürchtete Einheiten.

Um auf diesen Trend militärstrategisch zu reagieren wurde für Infanterieeinheiten die
sogenannte "Carré" - Formation entwickelt. (Carré = franz. für Quadrat)

Auf Befehl hin bildete eine Linieneinheit (Infanteristen, Grenadiere, Füssiliere o.Ä.) ein
abgerundetes Quadrat. Dies hatte den Vorteil, dass nun die Flanken geschützt waren und
im Falle eines Kavallerieangriffs die mit Bajonetten versehenen Musketen einen Speerwall
bildeten. Darüberhinaus werden Pferde scheu und drehen ab, wenn sie auf solch eine Formation
anrennen.

Nun brauchte es wieder viel Geschick und taktisches Verständnis für einen Feldherren,
um die Kavallerie nicht ins Verderben rennen zu lassen !

Neben dem Vorteil, den die Schwarzpulverwaffen bieteten, hatten sie auch entscheidende Nachteile:

- Bei Witterungseinflüssen wie Regen oder Schnee war es sehr wahrscheinlich dass das Pulver nass wurde
- Die verursachte Rauch-/Nebelwand machte das Schlachtfeld sehr unübersichtlich
- Infanterieeinheiten mit glattläufigen Gewehren konnten auf max. 100m noch etwas treffen

Die Nachladezeit zwischen einer Salve war grundsätzlich länger, als würde man direkt mit dem Bayonett
angreifen. Somit gab jede Einheit meist eine Salve ab und ging dann zum Nahkampf über.

Im Jahre 1807 erfand Alexander John Forsyth das Perkussionsschloss.
Dies bot entscheidende Vorteile gegenüber dem Steinschloss:

- Widerstandsfähiger gegen Witterungseinflüsse (Auch bedingt bei Regen oder Schnee einsetzbar)
- Sicherer: Der Schütze musste nicht mehr mit dem Pulverhorn am Gewehr hantieren, sondern
hatte vorgefertigte Pulverröhrchen aus Papier und musste vor der Schussabgabe lediglich ein
Zündblättchen oder Zündhütchen aufsetzen.
- Darüberhinaus reduziert die Verwendung eines Perkussionsschlosses die Anzahl der Zündversager
im Vergleich zu vergleichbaren Zündarten wie Steinschloss oder Luntenschloss.

Nach diesen Neuerungen waren Vorderladerwaffen bzw. Schwarzpulverwaffen die vorherrschenden
Kampfmittel geworden und keine Armee verzichtete darauf.

Darüberhinaus war vorallem die kognitive Wirkung der Disziplin auf formierte Menschengruppen entscheidend.
Dies hat psychologische Gründe:

- Das Gefühl eine starke Einheit zu sein
- Disziplin bietet einen entscheidenden Vorteil betreffend des Nachladeverhaltens und der Feuergeschwindigkeit
- Der Feind wird durch die Entschlossenheit der Gruppe auf ihn zu marschierenden Einheit eingeschüchtert

Selbstverständlich war es für die Soldaten nicht immer leicht, frontal auf die feindlichen Musketen zu marschieren !
Zur Unterstützung der Marschordnung gab es in jedem Regiment grundsätzlich einige Trommler, dies waren überwiegend Kinder oder Jugendliche.
Vorallem die musikalische Unterstützung war ein wichtiger Aspekt, deshalb wurden später auch Flötenspieler eingesetzt.
So makaber es sich anhört, war es auch.
Die Musikanten sollten für Ablenkung sorgen und die Moral weitestgehend aufrechterhalten,
während die Soldaten unter Beschuss dem Feind entgegen laufen.

Ich hoffe euch hat dieser kleine Einblick gefallen !
lg Matthias

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Thomas (25.01.2013)

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Freitag, 25. Januar 2013, 17:52

Eine kleine Übersicht verschiedener Infanterie-Einheitenarten

Linieninfanterie / Infanterie

Die Linieninfanterie bildete das Rückgrat jeder Armee.
Alle Soldaten dieser Einheit waren ausgestattet mit glattläufigen Musketen.
Aufgabe dieser meist in breiten Linien formierten Infanterieeinheit war es,
den Feind unter frontalen Salvenbeschuss zu nehmen, das der Feind ebenso erwiderte.

Da die glattläufigen Musketen sehr ungenau waren und auf max. 100 Meter treffsicher
kam man zu dem Entschluss, eine Linie zu bilden und eine "Bleiwand" aufzubauen.
So konnte der Schaden maximiert werden !

Leichte Infanterie


Die leichte Infanterie entwickelte sich aus der Erfindung von Laufzügen für Langgewehre.
Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges entwickelten deutsche Büchsenmacher
solche Langgewehre mit Laufzügen für die Armee der Continental Army unter George Washington.

Mit dieser handwerklichen Kunstfertigkeit wurde der Unabhängigkeitskrieg entscheidend beeinflusst.
Nicht nur dass diese Gewehre wesentlich präziser waren, sondern sie hatten auch eine weitaus größere
Reichtweite.

Daraus entstanden in der Kontinetalen Armee (Continental Army) die sog. Langgewehrschützen.

Aus dieser Erfindung heraus entwickelten sich viele leichte Plänkeleinheiten.
Bekannte Einheiten hierfür sind:

- Britische Greenjackets (Grünjacken)
- Preußische Jäger
- französische Chassèurs und Voltigeure
- spanische Cassadores

Grenadiere

Sie sind die größten und stärksten Männer einer Armee !
Ausgewählt und ausgebildet als Eliteeinheit sind die Grenadiere
vorallem mit frühen Granaten ausgerüstet.
Im Brustbereich der überkreuzten Hosenträger befand sich ein
Einsatz für ein Stück glühende Kohle.
So konnten die Grenadiere
im Gefecht die Lunte der Granaten entzünden.
Da es sich um die größten Männer handelte, war die Wurfweite
entsprechend weiter.

Füsiliere


Die Infanterieeinheiten der Füsiliere tragen Steinschlossgewehre.
Diese Einheiten entstanden nach der Erfindung dieser neuen Zündart,
denn ursprünglich waren Luntenschlosseinheiten unter diesem Begriff bekannt.
Eine solche Einheit beinhaltete treffgenaue Schützen und war im Grunde eine
bessere Infanterieeinheiten. "Füsiliere" ist ein traditionsverbundener Begriff dafür.


Eliteeinheiten / Gardeinfanteristen

Neben gewöhnlicher Linieninfanterie und leichter Infanterie gab es
kampferprobte Berufssoldaten mit überlegenen Drills und perfektionierter
Kampfordnung. Gute Beispiele hierfür sind:

- Napoleons Alte Garde
- britische "Coldstream Guards"
- spanische "Walloner Garde"
- russische "Siemenovsker Garde"

Zumeist waren diese Einheiten enge Vertraute des Monarchen / Feldherrn
und mit seinem Schutz betraut, nahmen aber auch an Schlachten teil.

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Thomas (25.01.2013)

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Freitag, 25. Januar 2013, 18:08

Kurze Übersicht verschiedener Kavallerieeinheiten

Husaren

Sogenannte Husarenverbände waren leichte, schnelle und wendige Kavallerie
und darüberhinaus auch für Sturmangriffe gut geeignet. Entwickelt und
eingesetzt wurden solche Einheiten zuerst in Ungarn und den kroatischen Regionen.
Sie waren eine gute Ergänzung für die schwere Kavallerie und konnten blitzschnell
und aus dem Hinterhalt zuschlagen.

Dragoner

Das beste Beispiel hierfür sind die britischen "Green Dragons".
Dragonereinheiten sind berittene, mit Karabinern und Säbeln bewaffnete
Linieninfanterie.
Diese Einheit kämpf grundsätzlich zu Fuß !
Die Pferde dienten dem schnellen Vorrücken und wurden auch zum
Niederreiten fliehender Feinde verwendet. Darüberhinaus sind
diese Einheiten gut ausgebildet.

Kürassiere / gepanzerte Reiter

Diese Art von Kavallerie bildete den Übergang zwischen den
mittelalterlichen Rittern und der modernen Kriegsführung.
Kürassiere waren schwer gepanzerte, mit langen Säbeln bewaffnete Reiter.
Solche Einheiten wurden vorwiegend als Schockkavallerie oder für frontale Sturmangriffe eingesetzt.
Entgegen mancher Überlieferung trugen Kürassiere häufig auch Karabiner oder 2 Pistolen mit sich,
die sie vor dem Auftreffen auf den Feind noch abfeuerten, um den Schaden zu maximieren.

Ulanen

Lanzenreiter waren Stoßtruppen und wurden in vielen europäischen Armeen
gegen gegnerische Reiterei eingesetzt oder rissen mit den langen Lanzen eine bresche
in dicke Infanterieformationen. Diese Kavallerieeinheit setzt unter anderem die Keilformation ein
um feindliche Linien zu durchbrechen. Am berühmtesten wurden Lanzenreiter unter Napoleon.
Er setzte sie unter Anderem in der Schlacht von Waterloo gegen die britschen Royal Scots Greys ein.

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Thomas (25.01.2013)