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Gunimo

Naturbursche

  • »Gunimo« ist der Autor dieses Themas

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1

Donnerstag, 28. September 2017, 18:56

Knallpatronen mit roter Kappe

Mir sind alte Knallpatronen von "RWS" zu Kenntnis gegeben worden, die tatsächlich eine rote Verschlusskappe (Wachs) haben und auf deren Hülsenboden das Wort "KNALL" prangt.
Hat jemand schon mal ähnliches gesehen und ggf. eine plausible Erklärung für diese Kombination?

Siehe:

http://www.muzzle.de/N4/Schreckschuss/Mu…allpatronen-rot

Gruß

Gunimo
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baikal-513

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2

Donnerstag, 28. September 2017, 20:30

Hallo Gunimo,

so richtiges Wachs wie Bienen es machen ist das nicht. Eher so wie Siegellack. Richtige Versiegelungen aus Wachs kennen ich nur von alten 8mm und 6mm.
In meiner Jugend sahen aber alle 9mm Reizstoffpatronen so aus, wie die gezeigten.

Schönen Abend,

Dete
Anschütz sind die Meistermacher, aber Kenner wählen Walther.

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muffrikaner (29.09.2017)

pepmodi

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3

Donnerstag, 28. September 2017, 21:02

Die Kartuschen sind vermutlich mit einer Kartonscheibe verschlossen. Diese wurde zur Abdichtung mit rotem Lack ueberzogen. Dadurch sollte das Ausgasen des Wirkstoffs vermieden und die Ladung gegen Feuchtigkeit geschuetzt werden. Mit Sicherheit handelt es sich nicht um Knall- sondern um CN-Patronen. In der Vergangenheit haben einige Munitionshersteller mit "Knall" gestempelte Kartuschen aus Vereinfachungs-gruenden auch fuer Reizstoffladungen verwendet. Knallkartuschen hatten meistens weisse Verschluesse.
Fuer Revolver gab es 9 mm-Kartuschen auch in "extra stark". Diese waren vorne zylindrisch und hatten danach eine ca. 15 mm lange rote Kunststoffhuelse in Geschossform (die Kartuschenlager/Trommelbohrungen waren laenger). Dadurch konnte eine groessere Wirkstoffmenge laboriert werden. Korth und NHM haben solche z. B. fuer ihre Revolver geliefert; der Munitionslieferant ist mir nicht bekannt. Es gab mehrere Hersteller (z. B. Hirtenberger).
Verschlusskappen aus Wachs kenne ich nicht. In der Vor-PTB-Zeit gab es Knall- und CN-Kartuschen mit schwarzem Hartwachsverschluss in
Ogival-Geschossform, z. B. im Kal. 6,35 mm. Diese wurden meiner Erinnerung nach mit der Begruendung verboten, dass feste Koerper (Wachspartikel) verschossen wurden, diese somit den gleichen Bestimmungen unterliegen wuerden wie "scharfe" Munition.
Gruss
pepmodi

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muffrikaner (29.09.2017)

Vogelspinne

Naturbursche

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4

Donnerstag, 28. September 2017, 21:28

Diese RWS 9x17 Patronen habe ich selber in meiner Sammlung. Die Patronen stammen aus den 60er - 70er Jahren, als es noch keinen genormten Farbcode für die diversen Arten von Kartuschenladungen gab.

Die "Roten" sind Knallpatronen von RWS, je nach Herstellungszeitraum entweder mit einer Kork- oder Pappscheibe unter dem roten Siegellack. Da sowohl Schwarzpulver als auch Nitrozellulose als Treibmittel verwendet wurde, kann man nur an der Verpackung erkennen, welche Patrone man vor sich hat.

Im gleichen Zeitraum fertigten diverse Hersteller, die von RWS die Hülsen mit gesetzten Zündhütchen kauften, neben RWS auch Gaspatronen, mit Nitrozellulose als Treibmittel und CN als Wirkstoff. RWS-gefertigte CN-Gaspatronen haben gelben Siegellack, SM-endgefertigte und etwas später SM-selbstgefertigte CN-Gaspatronen haben blauen Siegellack, Wadie und Hirtenberger verpackten vor Beginn der eigenen Fertigung fertig von RWS gekaufte Knall- und CN-Gaspatronen.
Bei weiteren Herstellern/Anbietern bin ich nicht zuverlässig informiert.

Im Zeitraum von ca. 1978 - 1983 wechselte ein Hersteller nach dem anderen auf die bei 8mmK seit Anfang der 70er Jahre übliche farbliche Kunststoffkappe und nach und nach einigten sich alle Hersteller auf einen einheitlichen Farbcode, bevor durch den Beitritt zur ZIP der ZIP-einheitliche Farbcode Pflicht wurde.
Zitat: Ein Staat ist nur so frei wie sein Waffengesetz! ( Gustav Heinemann, Alt-Bundespräsident )

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muffrikaner (29.09.2017)

Gunimo

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5

Donnerstag, 28. September 2017, 23:17

Vielen lieben Dank für eure Antworten. Da sieht man, dass alleine das Thema Munition für SSW schon eine Wissenschaft für sich ist, besonders wenn man in die Zeit zurück geht, in der es noch keine vereinheitlichte Regelung gab.

LG

Gunimo
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