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Montag, 30. März 2015, 10:30

Walther PPQ M1 9mm – Kompakter Allrounder

Seit ca. 4 Jahren ist nun die "Polizeipistole Quick Defence" der deutschen Firma Walther auf den Markt.
Ich habe mir vor kurzem das gute Stück gegönnt und möchte nun, nach ca. 1.500 Schuss, eine kleinen kleinen Bericht der Waffe präsentieren.
Es handelt sich hierbei nicht um einen „professionell journalistischen Artikel“, denn es ist das erste mal das ich eine derartige Zusammenfassung schreibe. Der Lesende möge dies bedenken ;)

Meinen Anforderungen an eine 9mm Pistole als Hobbyschütze mit beschränkten Waffenplätzen entsprachen quasi denen einer Eierlegenden Wollmilchsau.
Sie sollte nicht zu klobig sein, für ein gutes Handling und eventuelles dynamisches Schießen sowie die Selbstverteidigung.
Trotzdem wollte ich mit ihr regelmäßig an einen Bewerb teilnehmen, bei dem nur Waffen mit Kunststoffgriff und
Schlagbolzenschloß zugelassen sind (Ja sowas gibt’s).
Und wer denkt, das würde die Auswahl empfindlich einschränken der täuscht sich.
Gefühlt kommt derzeit täglich neue hammerlose "Tupperware" auf den Markt (SFP9, Caracal, M&P usw.).


Ergonomie und Optik:
Der Gesamteindruck ist sehr gut. Das schmale und aufgeräumte Design runden die Waffe im wahrsten Sinne ab.
Kaum etwas sticht hervor und trotzdem lässt sich die Waffe sehr gut bedienen.



Bildbeschreibung: Nicht unbedingt notwendig aber "nice to have":TalonGrips (gummierte Oberfläche)


Der Griff fühlt sich an als wenn ICH ein Stück Knete in die Hand genommen und dies dann nach Ulm zum Gießen des Griffstücks geschickt hätte.
Das bezieht sich natürlich nur auf die Form und nicht die Materialhärte ;).
Auch wenn die Waffe mit einer sehr guten Ergonomie nicht mehr allein auf dem Markt ist (SFP9 bzw P30 etc.), bleibt das Griffgefühl für mich einmalig.

Die Oberfläche der Texturierung ist wenig aggressiv. Das ist natürlich einerseits sehr angenehm hat aber andererseits auch dazu geführt, dass ich mir TalonGrips besorgt habe um beim Schießen auf 25 Meter bzw. unter Zeitdruck auch an den wärmeren Tagen einen 99%igen Griff zu haben.

Die Waffe kommt in der Standardausführung mit 3 Griffrücken (S/M/L).
Der Große Griffrücken hat noch zusätzlich einen Beavertail. Dies finde ich ehrlich gesagt nicht gut, denn dadurch wandert die Hand ein Stückchen tiefer und somit von der Laufachse weg.
Allerdings war das wohl nötig um größeren Händen den Weg zum Abzug entsprechend zu verlängern.

Ich nutze die mittlere Größe, die sich wohl auch für die meisten Handgrößen als praktisch erweisen sollte.
Sehr kleine Hände bzw. sehr große sollten dann auch mit den S und L Varianten zufrieden sein, denn der Unterschied zwischen den Größen ist deutlich spührbar.


Der Verschluss weist sehr gut greifbare, weil tiefe Griffrillen auf.
Man kann so den Verschluss jederzeit absolut zuverlässig bedienen.
Die Griffigkeit scheint mir auf jeden Fall zuverlässiger als beim österreichischen Pendant aus Deutsch-Wagram.
Rein optisch gefällt der eingestanzte Walther Schriftzug sehr gut.



Bedienelemente:
Die Walther PPQ M1 ist komplett beidseitig bedienbar.

Ob man den Verschlussfang nun nutzt oder nicht darüber kann man streiten.
Natürlich ist bei leer geschoßenen Magazin das Bedienen des Verschlusses durch zurückziehen etwas zuverlässiger und "universeller" (funktioniert bei jeder Selbstladepistole gleich). Aber wenn der Verschlussfanghebel gut positioniert ist und zuverlässig funktioniert, dann spricht die Zeitersparnis meiner Meinung nach dafür den Hebel zu nutzen.

Die Pistole verfügt über einen der am besten bedienbaren Verschlussfanghebel die ich kenne.
Der vergleichsweise lange und leicht zu drückende Hebel hat aber auch einen Nachteil der ein Grund dafür sein dürfte, dass er bei anderen Herstellern anders designed ist. Er wird schnell mal unbemerkt während des Schiessens aktiviert. Das sorgt dafür, dass der Verschluss bei leeren Magazin nicht hinten bleibt.
Dieser "Bedienfehler" ist allerdings mit einem leicht veränderten Griff abtrainierbar.

Bildbeschreibung: Statt den Daumen der Schiesshand am Verschluss zu parken sollte man diesen bei der PPQ über die unterstützende Hand legen.


Der Magazinhebel ist für mich leicht erreichbar ohne Umgreifen zu müssen oder den Griff großartig zu justieren.
Man kann also leicht im Ziel bleiben beim Magazinwechsel, das spart Zeit!
Ich bediene ihn meist mit dem Mittelfinger der Schusshand, aber auch der Zeigefinger eignet sich hierfür.
Mit dem Daumen kann ich den Hebel nicht erreichen ohne den Griff zu verändern.

Auch hier fällt auf dass der Hebel recht lang ist. Wer in Physik aufgepasst hat kann sich den Vorteil denken.
Er ist zwar leicht mit dem Finger auszulösen aber das Magazin rastet trotzdem fest mit einen hörbaren "klick" ein.
Trotzdem ist er nicht zu leicht, sodass er "ausversehen" ausgelöst werden könnte.
Dies verhindert auch die Positionierung quasi plan mit dem Abzugbügel.

Bildbeschreibung: Platz da! Beim Design des Magazinbügels wurde mitgedacht. Für Daumendrücker aber eventuell nicht so vorteilhaft.

_____

Bildbeschreibung: Heute eigentlich schon Standard, die Waffe verfügt über eine Picatinny-Schiene (MIL-STD-1913). Auch wenn das Surefire "etwas" drüber hinausragt, rastet es hörbar ein.

Schussverhalten:
Die meisten Waffen sind ja bekanntlich nur so genau wie ihre Schützen.
Allerdings fällt es kaum Jemanden schwer auf Anhieb mit der PPQ auf 15m Entferung die Mitte der Scheibe zu treffen.
Auch auf 25 Meter schiesst die Waffe noch dahin wo man hin zielt.

Für die Standardvisierung (aus Stahl) sind verschiedene Größen nachträglich erhältlich.
Bei meinen Modell war die Größe '2' bei der Kimme und '4' beim Korn montiert.
Ausgeliefert wir die PPQ mit der 3 Punkt Phosphor Visierung, Tritium ist allerdings optional verfügbar.
Für das zielgenaue Schiessen auf große Entfernung ist die Standardvisierung nicht ideal, dafür eignen sich allerdings die großen Punkte gut für die schnelle Zielaufnahme auf kurzen Distanzen.
Die 3 Phosphorhaltigen Marken "laden" sich durch natürliche sowie künstliche Lichtquellen auf und sind dann nachleuchtet für ca. 20 Minuten in der Dunkelheit.


Bildbeschreibung: Wenn sie leuchten dann richtig, auch wieder subjektiv aber meiner Meinung nach heller als Tritium.


Abzug? -Sehr gut! Jeder der sich schon mal etwas mit modernen Pistolen beschäftigt hat, wird wohl etwas vom PPQ-Abzug gehört haben.
Der Weg bis zum Druckpunkt ist kurz (ca. 7mm) und der Druck baut sich konstant auf.
Dann kommt der Bruch, klar und deutlich.
Obwohl der Abzug bei nur ca. 2,5kg bricht, kann man sich problemslos mehrmals schnell hintereinander rantippen.
Der Finger steht wie vor einer Mauer.... einer Mauer aus dünnen Glas. Du weisst hier ist etwas im Weg unzwar genau hier.
Der Rückstellweg ist extrem kurz. Kaum entspannt man den Zeigefinger auch nur ein bisschen "springt" der Abzug wieder vor den Druckpunkt.
Das macht das Doublettenschiessen zu einer einfachen Aufgabe.

Bildbeschreibung: Genau da ist er, der Druckpunkt.

Der Abzug verfügt ebenfalls über die "Glock-typische" Sicherung in Form einer kleinen Zunge die eingedrückt werden muss.
Die Sinnhaftigkeit solcher Sicherungen zu diskutieren würde hier aber den Rahmen sprengen.
Einen Nachteil hat solch ein standardmäßig leichter Abzug natürlich. Er "begünstigt" eine versehentliche Schussabgabe.
Man sollte absolute "Triggerfinger discipline" beim Handling an den Tag legen, aber das sollte ohne hin immer der Fall sein.

Ich verschiesse hauptsächlich S&B Munition (124gr) mit der PPQ.
Ausserdem habe ich folgende Munition verschossen ohne irgendeine Störung zu haben:
50 Schuss: S&B 115gr.
50 Schuss Geco 115gr
50 Schuss Geco 124gr
25 Schuss: Hornady 115gr FTX Zombie
40 Schuss: Federal +P 124gr EFMJ Premium
45 Schuss: Federal 147gr JHP Hydra Shock
Wiedergeladene Munition habe ich nicht verschossen.
In derzeit insgesamt ca. 1.500 Schuss habe ich keinerlei Störungen oder Probleme gehabt.
Bildbeschreibung: Ein kleiner Vielfrass ist die PPQ. Sie isst brav alles auf ohne Bäucherchen zu machen.


Verarbeitung:

Die Magazine sind äusserst gut verarbeitet, es gibt keine scharfen Kranten oder Grate. Alles wurde ordentlich abgerundet und lackiert.
Produziert werden die Patronenspeicher in Italien (von Mec-gar?).
Ein 17 Schuss Magazin kann nach bestellt werden.
Die originalen Magazine sind allerdings mit 45-50,00€ deutlich teurer als die der Konkurrenz!


Polyme(h)r: Spätens seit preiswerte Marken wie Canik auf die Bühne getreten sind, sollte man auch über die Verarbeitung des Polymer ein paar Worte verlieren. Bei der PPQ ist das glasfaserverstärkte Polymer sehr gut verarbeitet und fühlt sich auch entsprechend gut an.
Die Haptik vermittelt ein sanftes Gefühl und somit eine hohe Wertigkeit des verwendeten Materials.
Sowas kann man schwer beschreiben, das muss man fühlen.
Bildbeschreibung: Wer mag sie nicht? Sanfte Kurven!

Verschluss und innere Teile
Die Verarbeitung der Stahlteile ist sehr sauber. Werkzeugspuren findet man kaum. Nur außen am Verschluss kann man beim sehr genauen hinsehen die Frässpuren der CNC Maschine sehen. Das Innere wirkt aufgeräumt und lässt sich gut reinigen.



Bildbeschreibung: Passt genau! Die "Abnutzung" sind deutlich im Normbereich. Die Passungen perfekt.



Bildbeschreibung: Auch die kleine Stelle an der Auszieherkralle die sich durch die ausgeworfenen Hülsen ergibt, ist nichts was man nicht auch von anderen Waffen kennen würde.

M1 vs. M2
Da es den US-Amerikanischen Endkunden sehr wichtig war bei der großen Waffensammlung nicht durcheinander zu kommen wenn der Magazinwechsel ansteht, hat Walther mit einer M2 Version nachgelegt die über einen Knopf statt Wippe verfügt.
Der Magazinknopf lässt sich für bei der dieser M2 Version auch umsetzen.
Desweiteren gibt es noch eine M3 Version und die P99Q die allerdings nur Behörden vorbehalten sind. Die Walther PPQ M3 verfügt neben einen höheren Abzuggewicht und einem DA Modus auch über einen Indikator an der Verschlussplatte der Auskunft über den Spannzustand gibt (ähnlich der H&K SFP9). Bei der P99Q fehlt gegenüber der M3 lediglich dieser Bolzenindikator.

Ladestandsanzeige? -Fehlanzeige
Ok ganz so schlimm ist es nicht. Aber die Tatsache dass die kleine Ausparung die der Auszieher entstehen lässt wenn eine Patrone in der Kammer ist, als Ladestandsanzeige bezeichnet wird mutet doch etwas seltsam an.
Es wirkt nicht so als hätte sich ein Ingenieur vorher gedacht "Hey wir brauchen noch auch eine zuverlässige Ladestandsanzeige."
Sondern eher als hätte Jemand im Marketing bemerkt: "Da is ne Ausparung! Rote Farbe bestellen, das is` nen feature!"
Dieser zugegeben überspitzen Darstellung muss man aber hinzufügen: Ja man kann sie fühlen und ja wenn die Waffe sauber ist, dann sieht man auch das bisschen rot.
Ums kurz zu machen, da gibts es meiner Meinung nach deutlich bessere Varianten.


Bildbeschreibung: Die Griffrillen machen es nicht einfach die Ladestandsanzeige zu erfühlen.



Technische Daten:
Kaliber: 9mm (.40S&W ebenfalls verfügbar)
Gesamtlänge: 18,0 cm
Gesamthöhe: 13,5 cm
Gesamtbreite: 3,4 cm
Visierlänge: 15,6 cm
Lauflänge: 10,2 cm (4,02")
Gewicht: 0,695kg
Sicherungen: Abzugsicherung, Schlagbolzensicherung und Unterbrecher.

Lieferumfang:
Die Waffe wird in einem hochwertigen Koffer mit blauem Walther Logo ausgeliefert.
Der Koffer verfügt über 2 Ösen um abgeschloßen zu werden, alles wirkt hier sehr aufgeräumt.


Bildbeschreibung: Ordentlich, ordentlich! Hier hat alles seinen Platz.


Im Lieferumfang sind neben den bereits erwähnten 3 Griffrücken auch noch 2 Magazine mit jeweils 15 Schuss Kapazität.
Hinter den Schaumstoff des Deckels versteckt sich eine große Bedienungsanleitung und ein originales Ziel der ersten 5 Schuss.
Die beigelegte Ladehilfe ist leider keine große Hilfe, da bleib ich lieber bei meinen Uplula.
Ein kleines "Tool" um die Griffrücken zu wechseln fehlt leider!

Für mich genau richtig: Ein perfekter Allrounder.
Die "kleine" Walther PPQ ist mir doch sehr ans Herz gewachsen.
Sofort wenn man die Waffe in die Hand nimmt, fühlt sie sich sehr "vertraut" an.
Natürlich wäre die 5" Version (nur als M2 verfügbar) für die Bewerbe die bessere Wahl gewesen, aber erstens gefällt mir die "Verlängerung" optisch nicht und zweitens fehlt da die "Herausforderung" ;) .
Die Walther PPQ ist für mich eine der am besten bedienbaren Pistolen der Kompaktklasse.
Einzig das etwas teure Zubehör schmälert den rundum guten Eindruck der Waffe etwas.

Author: User "Schmu"
»Schmu« hat folgende Bilder angehängt:
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  • Griffrücken.jpg
  • Innenansicht.jpg
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  • Mal sehen.jpg
  • Munition.jpg
  • Polymer.jpg
  • Rail.jpg
  • Sights.JPG
  • Überblick.jpg
  • Verschlussrillen.jpg
  • Ladestandanzeige.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 31 mal editiert, zuletzt von »Schmu« (31. März 2015, 21:03) aus folgendem Grund: Work in progress


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Dienstag, 31. März 2015, 20:43

Puh das is ne ganz schöne Arbeit. Hoffe trotzdem es passt. Für Kritik bin ich immer offen! :)

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Dienstag, 31. März 2015, 21:30

Juhuuuu! Endlich kommt die kackbraune P22 von der Portalseite. :D
Danke Schmu sehr gute Arbeit! :thumbup:
Kunde: "Bei dieser Schreckschusswaffe ist die Visierung aber zu klein und schlecht verarbeitet"
Verkäufer: "Das stört die Treffsicherheit bei dieser Waffe in keinster Weise!"

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Cannyblue (31.03.2015)

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