Sie sind nicht angemeldet.

Vogelspinne

Naturbursche

  • »Vogelspinne« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 318

Registrierungsdatum: 13. Januar 2013

Wohnort: Baddeckenstedt/Niedersachsen

  • Nachricht senden

1

Dienstag, 28. Mai 2013, 23:17

Diana Mod.10

Diana Mod.10






Im Frühjahr 1973 stellte Mayer & Grammelspacher Dianawerk
GmbH & Co.KG aus Rastatt anläßlich der Deutschen Waffenbörse den
Prototypen der neuen Match-Luftpistole Diana Mod.10 vor und im Herbst
1974 waren die ersten Serienmodelle auf dem Markt erhältlich. Dabei trat
die Diana Mod.10 in direkte Konkurrenz zur Feinwerkbau 65 und Walther
LP 3.

Die Diana Mod.10 hat, da sie eine Weiterentwicklung der Diana Mod.6 ist,
ebenfalls das patentierte Giss´sche Doppelkolbensystem, was die Pistole
absolut prellschlagfrei bei gleichzeitig schneller Schußentwicklung
macht.

Im Produktionszeitraum von 1974 bis etwa 1990 wurde die Diana Mod.10 in
zwei Baureihen hergestellt, wobei die erste Baureihe nur ca. anderthalb
Jahre produziert wurde ( in der Literatur wird als Wechsel der Baureihen
Januar 1977 oder Januar 1978 genannt, während die hier vorgestellte 2.
Baureihe März 1976 gestempelt ist! ).

Bei der zweiten Baureihe wurden einige Dinge, die bei der ersten Baureihe bemängelt wurden, abgestellt.



Geliefert wurde die Diana Mod.10 in einem mit orangen Schaumstoff
ausgekleideten braunen Lederkoffer mit zwei Schraubendrehern, der
Gebrauchsanweisung, sowie einer Dose Diana-Diabolos.



Lieferumfang einer Diana Mod.10 ( hier ein Exemplar der 1. Baureihe ):





Linke Seitensicht der Diana Mod.10: oberes Bild 1. Baureihe ( gut
erkennbar: die 43 mm breite Exzenterhülse zur Handrückenstützung );
unteres Bild 2. Baureihe mit Mikrometervisierung in hinterster Position:







Technische Daten, 2. Baureihe mit Laufgewicht:



Gewicht: .......................................................1470 g ( 1. Baureihe mit Laufgewicht bis zu 1520 g! )

Länge, gesamt: ..........................................415 mm ( bis 435 mm durch Griffverstellung! )

Höhe ( variabel durch Griffverstellung ): 171 mm ( aktuell von Kimmenblatt bis Griffunterseite )

Lauflänge: ...................................................180 mm ( mit Laufmantel / ohne: 178,5 mm )

Kaliber / Lauf: ............................................4,5 mm, gezogen, gechokt,

Länge der Visierlinie: ...............................320 - 355 mm ( verstellbar / 1. Baureihe unverstellbar 320 mm )

Visierung: ...................................................stufenlos
verstellbares Balkenkorn mit 2,5 - 4 mm Breite + Mikrometervisier mit
auswechselbarer Kimmenplatte

Mündungsgeschwindigkeit V0: .............ca. 135 m/s / ~ 4 Joule



Alle Werte wurden selber ermittelt und können je nach Literaturquelle abweichend sein.



Rechte Seitenansicht ( rote Linie markiert das 11 mm weit ausziehbare Brettchen zur Handgelenkstützung ):





Die Unterschiede zwischen der 1. und 2. Baureihe sind wie folgt:



Ab 2. Baureihe

- serienmäßiges vorhandenes 80 g Laufgewicht aus Zinkdruckguß ( vorher
optional erhältlich, aber für Wettkampf zu hohes Gesamtgewicht! ) zur
Lagestabilisierung der vorher zu leichten Mündung

- verstellbare Visierlinienlänge durch umsetzbares Mikrometervisier

- die um den Druckzylinder drehbare Exzenterhülse aus Delrin der 1. Baureihe fällt weg ( dadurch 50 g Gewichtsersparnis! ),

- dafür,wegen der Visierlinenlängenverstellung und dem unzulässigen
Wettkampfgewicht mit Laufgewicht, nur eine Kunststoffklammer ( darunter
Herstellungsmonat /-jahr gestempelt )



Hier eine Tabelle aus dem Bruckner ( 90er Jahre ) für die 2. Baureihe im
Vergleich zu den anderen Diana-LP und den damaligen FWB-LP:





Wie sich die verhältnismäßig hohe Mündungsgeschwindigkeit mit der
relativ kurzen Auslösegesamtzeit von 10 Millisekunden bei gleichzeitig
kürzeren Lauf gegenüber einer FWB 65 positiv bemerkbar macht, ersieht
man am horizontalen Ausschlag. Mit Laufgewicht liegt die Mündung der
Diana noch ruhiger.



Hier in einer Tabelle aus einem DWJ von 1975 ( hier im Test eine Diana
Mod.10, 1. Baureihe, ohne Laufgewicht = leichte Mündung ):





Die Seriennummer, Kaliberangabe und der vorgestellten Diana Mod.10, 2.Baureihe:





Herstellungzeitraum März 1976 ( normal unter Kunststoffklammer nicht
sichtbar ), oben am Mikrometervisier die linke Kunststoffschraube zur
seitlichen Kippjustierung:





Die Göttin:





Wie man an den Bildern gut erkennen kann, ist die Oberfläche des
stählernen Druckzylinders mit dem Doppelkolbensystem, sowie die
darunterliegende umlaufende, aus 0,5 mm dünnen Stahlblech gefertigte,
Sichtblende ( verdeckt den Rahmen aus Stahlprofilen ) rauh und matt
brüniert. Das soll jegliche Reflexionen beim Visieren verhindern und die
Oberfläche unempfindlicher gegen Kratzer und Abrieb machen. Leider
bleiben an der rauhen Oberfläche gerne Fusseln und Stäubchen hängen, was
bei den Nahaufnahmen teils gut zu sehen und nur ein optischer Makel
ist.

Laufmantel, Abzugsbügel und Abzugszunge des Riegelabzuges, sowie bei der
ersten Baureihe die drehbare Exzenterhülse an Druckzylinder, sind aus
Delrin gefertigt, einem weitestgehend temperaturunempfindlichen und sehr
widerstandfähigen Kunststoff.

Der vielfach verstellbare Rechts-Griff besteht aus ölgeschliffenen,
orthopädisch ausgearbeiteten Nußbaumgriffschalen mit einer in Höhe und
Länge verstellbaren Handkantenauflage. Zusätzlich läßt sich der
Griffwinkel zum Druckzylinder etwas verstellen. Dabei müssen
Wettkampfschützen aber aufpassen, da sie sich schnell auch ohne
ausgezogenen Brettchen zur Handkantenauflageverlängerung/
Handgelenkstützung über die erlaubte Gesamtlänge hinaus bewegen!

Bei dem Gewicht der Pistole ist die Mittelfingerauflage mit einer Breite
von 50 mm eine sehr angenehme Notwendigkeit. Optional gab es natürlich
auch einen Links-Griff, wobei es mir unbekannt ist, ob Mayer &
Grammelspacher auch heute noch damit dienen können.



Bei der Diana Mod.10 handelt es sich um eine Knicklaufpistole mit dem
patentierten Diana-Kugelverschluß. Der Laufmantel aus Delrin hat die
Aufgabe, beim Knicken / Spannen des Laufes, die Spannhand vor dem
scharfkantigen Korn zu schützen.

Dafür wird der Laufmantel ein wenig Richtung Mündung gezogen, um
180°gedreht ( ob links oder rechts herum ist egal ) und durch die
innenliegende Haltefeder wieder in die Rastung an der Laufwurzel
gedrückt. Nun liegt der Laufmantel ( in diesem Fall mit Laufgewicht )
über dem Korn und die Pistole kann ohne Verletzungsgefahr mit, für einen
Arm, moderaten 14 Kg Spanndruck gespannt werden. Dabei wird der Lauf um
100° gekippt.



Das Brechen der Visierlinie ist übrigens nachgewiesenermaßen nur ein
Problem im Kopf des Schützen. Es wurden bei vielfachen Versuchen über
die Jahrzehnte keinerlei Nachteile / Ungenauigkeiten gegenüber
Luftpistolen /-gewehren mit starrer Visierlinie festgestellt,
vorausgesetzt, daß die Verarbeitung und verschleißfreie Passgenauigkeit
so wie bei den Diana Matchwaffen gegeben ist!



Der Laufmantel mit Korn und Laufgewicht,( links das Korn, rechts davon
der Kornschutz! Darunter die Arretierschraube für das Korn ):





Der Laufmantel mit Gewicht zum Spannen hochgeklappt:





Für das Korn wurde ein recht unkonventionelle Bauart gefunden. Was
zuerst wie ein Blockkorn aussieht, ist in Wirklichkeit der Kornschutz.
Das Korn selber ist das filigrane dreieckige Ding davor und hat an der
Basis 4 mm und an der Spitze 3,4 mm Breite. Dadurch wird die optische
Täuschung verhindert, die eckige Kimmenausschnitte hinter Kornen mit
parallelen Kanten hervorrufen ( Lichtspalt rechts und links im
Kimmenausschnitt verengt sich nach oben ). Mit einem Schwalbenschwanz
ist das Korn seitlich in den Lauf eingeschoben und von oben mit einer
Schraube geklemmt.

Das Korn ist jeweils nach links oder rechts um 60° ( gesamt 120° )
stufenlos drehbar und man kann so durch seitlichen Lichteinfall
hervorgerufene Kontrastunschärfen vermeiden. Bei der Drehung
verschmälert sich das Korn bis auf 2,5 mm. Dadurch vermeidet man
zusätzlich Wechselkorne. Zur Drehung des Kornes wird die rechts unter
dem Korn befindliche Arretierschraube mit einer Linksdrehung gelöst und
das Korn entsprechend gedreht. Dann die Schraube wieder festziehen. Zur
Einstellung gilt:



- Licht von rechts = Korn nach links drehen



- Licht von links = Korn nach rechts drehen



Sicht auf das Korn, aus Richtung Mündung davor der Kornschutz:





Die Kimme sitzt als auswechselbares Kimmenblatt ( Kimmenausschnitte von
2,5 / 3,0 / 3,5 mm, montiert ist 3,0 mm ) im bekannten Mikrometervisier
und ist in Seite und Höhe klickweise verstellbar. Die Abstufung ist mit 4
Klicks in der Höhe und 5 Klicks in der Seite pro Ring auf der
Wettkampfscheibe sehr fein.

Dabei ist die Höhenstellschraube mit 23 mm so breit, daß man bequem
drehen kann. Außerdem zeigt sie dem Schützen an, wie er bei einem Hoch-,
bzw. Tiefschuß zu drehen hat. Es gilt wie immer beim Mikrometervisier:



- Bei Recht- / Hochschuß = Schraube nach rechts drehen



- Bei Links- / Tiefschuß = Schraube nach links drehen



Damit ist dieses Mikrometervisier in seinen Verstellmöglichkeiten noch lange nicht erschöpft!

Einmal kann man das gesamte Mikrometervisier in zwei Stufen zur
Visierlinenlängenverstellung ( im vorliegenden Fall ) nach vorne
versetzen ( die beiden einzelnen Schrauben schliessen im Moment die
Haltegewinde ) und zum Zweiten kann man das Mikrometervisier seitlich
etwas nach links oder rechts neigen, um die persönliche Kipplage
auszugleichen. Dazu sind jeweils links und rechts eine Verstellschraube
aus Kunststoff angebracht ( siehe rote Markierungen unteres Bild ).

Die Größe der Umdrehung, was man zum Beispiel an der linken Schraube
rausgedreht hat, muß man an der rechten Schraube reindrehen, bis die
rechte Schraube fest ist ( linke ist automatisch mit fest ) - das
Mikrometervisier ist damit nach links gekippt. Umgekehrt gilt es für ein
Kippen nach rechts.



Das Mikrometervisier mit den zwei Positionen zur Visierlinienverkürzung davor:





Der Abzug ist der von der Diana Mod.6 bekannte patentierte Riegelabzug,
welcher um einen Triggerstop, sowie weiterer Verstellmöglichkeiten
erweitert wurde.

Einstellbar sind:



- Abzugsabstand

- Abzugsfingeranlage ( große oder kleine Kontaktfläche )

- Vorweglänge

-Vorweggewicht

- Druckpunkt



Das Abzugsgewicht ist bei korrekter Einstellung immer 500 g, die sich
variabel einstellbar auf Vorwegsgewicht und Druckpunktwiderstand
verteilen.



Der Abzug:





Schematische Einstellmöglichkeiten des Abzuges:

1 = Abzugszunge / 2 = Abzugsabstand / 3 = Vorweglänge / 4 =
Vorweggewicht / 5 = Druckpunktlage ( äußere Hülse ) / 6 =
Druckpunktwiderstand ( Schraube in Hülse )







Fazit



Die Match-Luftpistole Diana Mod.10 sieht angesichts heutiger
Pressluft-Pistolen ziemlich antiquiert aus und ist, mit Größe und
Gewicht an den für Wettkämpfe erlaubten Höchstgrenzen liegend, ein
ziemlicher Brocken, der dazu noch das vermeintlich schlechtere
Knicklaufsystem hat.

Wen das nicht stört, bekommt mit der Diana Mod.10 eine auch heutzutage
noch durchaus wettkampftaugliche Pistole, die mit Vorkompremierern
locker mithält und bis zu einem gewissen Grad auch den Presslüftern
zeigen kann, was eine sehr gute mechanische Konstruktion drauf hat.
Schließlich bietet die Diana Mod.10 mit ihren 20 von außen erreichbaren
Einstellmöglichkeiten jedem Schützen die persönlich perfekte
Einstellung, um eins mit der Pistole zu werden.

Dafür muß der Schütze sich aber intensiv mit seiner Diana beschäftigen
und die Bewegungsabläufe trainieren, sowie ein gewisses Krafttraining
absolvieren, um den Nachteil der körperlichen Anstrengung des Spannens
gegenüber den Pressluftschützen auszugleichen.

Die Diana belohnt dies dann absoluter Präzision und der Wettkampftauglichkeit dieser großen alten Dame.



Für den Hobbyschützen bietet diese Diana die Herausforderung, sich an
die Präzision der Pistole heranzuarbeiten, da sie immer besser schiesst
als der Schütze. Das macht Spaß und Lust auf mehr.



Ich danke Pellet und gilmore für die Hilfe und die Informationen, die
mir das Erstellen dieses Berichtes sehr erleichterten.
»Vogelspinne« hat folgende Bilder angehängt:
  • 01.jpg
  • 02.jpg
  • 03.jpg
  • 04.jpg
  • 05.jpg
  • 06.jpg
  • 07.jpg
  • 08.jpg
  • 09.jpg
  • 10.jpg
  • 11.jpg
  • 12.jpg
  • 13.jpg
  • 14.jpg
  • 15.jpg
Zitat: Ein Staat ist nur so frei wie sein Waffengesetz! ( Gustav Heinemann, Alt-Bundespräsident )

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »bfgguns« (30. Mai 2013, 00:12)


Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

GunnerySergeant (03.06.2013), sternburch (20.12.2013)