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Montag, 15. April 2013, 12:33

Cold Steel American Lawman Klappmesser

Cold Steel American Lawman Klappmesser - (Test)-Bericht



Einige meiner Klappmesser mit Backlock oder Linerlock Klingenverriegelung haben mit der Zeit durch etwas härteren Einsatz Klingenspiel im Griffstück entwickelt, den man auch nicht mehr mit dem Nachjustieren der Klingenschraube beseitigen kann. So habe ich mich erst auf die Suche nach einem feststehenden Messer gemacht, bin dann aber auf die in Deutschland nicht so sehr bekannte Firma Cold Steel gestoßen. Cold Steel stellt Messer und andere sehr interessante Produkte wie Macheten und Schwerter her, die vom preisgünstigen bis sehr teuren Preissegment reichen.

Das was mich so sehr interessiert und zu Cold Steel getrieben hat, waren die Klappmesser mit dem sogenannten von Andrew Demko neu entwickelten "Tri-Ad" Lock. Der Tri-Ad Lock ist ein weiterentwickelter Backlock mit zusätzlichem Stop-Stift zwischen Klinge und Wippe.
So werden die negativen Kräfte (Kräfte ausgehend vom Klingenrücken) und die positiven Kräfte (Kräfte ausgehend von der Schneide) nicht nur auf die Verriegelungs-Wippe gelenkt (was beim Backlock der Fall ist) sondern auf den Stop-Stift, was der ganzen Konstruktion mehr Stabilität geben soll.

Negative Kräfte werden durch die Klinge an die Wippe weitergegeben und diese drückt gegen den Stop-Stift, dadurch werden Klingen-Kerbe und Wippen-Fanghaken am Kontaktpunkt zusammengepresst und die Kräfte auf den Stop-Stift geleitet. Positive Kräfte werden direkt durch die Klinge an den Stop-Stift weitergeleitet. In diesem Fall wird der Stop-Stift von der Wippe gestützt.

Durch den extra Stop-Stift wird so ziemlich eine ungewollte Entriegelung der Klinge verhindert, wenn das Messer Stößen ausgesetzt wird. Denn beim Tri-Ad Lock findet die Wippe Halt am unbeweglichen Stop-Stift, auch wenn die Klinge nach unten gedrückt wird. Wohingegen falls beim normalen Backlock die Klinge kurzzeitig nach unten springt, der Fanghaken den Kontaktpunkt im vorderen Bereich zur Klinge verliert und aus der Kerbe springen kann. Zusätzlich sitzt der Fanghaken beim Tri-Ad Lock extra tief in der Kerbe.

Konventioneller Backlock verglichen mit dem neuen Tri-Ad Lock:
Backlock vs. Tri-Ad Lock

Außerdem soll diese Klingenverriegelung laut Cold Steel zukünftiges Klingenspiel vorbeugen weil sie sich "selber arretieren" kann aufgrund von eingeplanter Einspielung/Abnutzung an den verschiedenen Kontaktpunkten der beweglichen Metallteile. Deswegen wurde extra Platz zwischen Klingen-Kerbe und Wippen-Fanghaken gelassen, damit die Kralle der Wippe ggf. noch tiefer in die Kerbe einrasten kann. Siehe Bild unten:



Ich konnte diesen mutmaßlichen sehr robusten Klingenverschluss noch nicht selber auf Herz und Nieren testen und muss mich derzeit auf die Aussagen des Herstellers und einigen Eindrücken aus Videos beziehen. Eines ist aber sicher, bei meinen Messern mit normalem Backlock lässt sich die Einrast-Wippe sehr leicht einen Millimeter aus der Verankerung heben, wenn man mit der Hand starken Druck auf den Klingenrücken ausübt. Das habe ich bei dem Cold Steel American Lawman nicht geschafft.

Um einen schnellen Eindruck über den Tri-Ad Lock zu bekommen, verlinke ich mal einen "Hard Use" Test dieses Messers:



Es werden von Cold Steel sehr viele Messer mit dem neuen Tri-Ad Lock angeboten und musste mich somit für ein Exemplar entscheiden. Weitere bekannte Messer mit Tri-Ad Lock sind z.B. Cold Steel Recon 1, Voyager, Spartan, Espada und das AK-47. Schlussendlich habe ich mich für das American Lawman entschieden, da es mich von der Größe, Gewicht und dem Design am meisten angesprochen hatte. Das American Lawman ist ein "Massenprodukt" designt nach dem Custom Messer AD-10 ebenfalls von Andrew Demko.








Selbstermittelte Daten des American Lawman
Länge geschlossen: 12,0cm
Länge geöffnet: 20,5cm
Klingenlänge: 8,5cm
Klingenstärke: 0,3cm
Gewicht: 129g
Verschluss: Tri-Ad Lock (modifizierter Backlock)
Klingenstahl: AUS-8
Griffmaterial: G10
Taschenclip: Edelstahl

Als Zubehör gibt es nur eine kleine Pappschachtel als Verpackung und das Messer steckt in Blisterfolie. Es gibt noch einen zweiten Hosenclip für Linkshänder. Die Clips sind gebogen, sodass einer nicht auf beiden Seiten des Messers passen würde.

Das Messer habe ich im Internet für 92,60 Euro ohne Versand bestellt. Der Preis in Deutschland für dieses Messer liegt zwischen 90-100 Euro. Für mein Geschmack etwas zu viel für "nur" AUS-8 Klingenstahl. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Messer in den USA für unter 50 Dollar zu haben ist.






Konstruktion & Verarbeitung

Die Konstruktion des Lawman ist relativ simpel und es gibt nur wenige Einzelteile. Dazu ist es sehr einfach das Messer auseinander zu bauen um es z.B. zu reinigen. Das Messer besteht aus zwei G10 Schalen, Hosenclip, Klinge, 2x Bronze Unterlegscheiben, 2x Nylon Unterlegscheiben, Wippe, Feder für Wippe, Abstandshalter aus 6060 Aluminium und ein paar Torx-Schrauben. Das war's.

Dieses Bild verdeutlicht die simple Konstruktion des Messers:
Aufbau vom Lawman


Das Checkering auf den G10 Schalen ist sehr rau und tief geschnitten. Auch mit total verfetteten Händen würde einem das Messer niemals aus der Hand rutschen. Einen Nachteil hat diese raue Oberfläche allerdings - die eigene Hose wird einem das Tragen des Messers verübeln. Der Griffrücken wurde schön abgerundet. Es gibt am Griff keine überstehenden Kanten.



Eine weitere Eigenschaft des Messers ist das Fehlen jedweder Stahl-Liner im Griffstück. Die gesamte Konstruktion beruht alleine auf den zwei G10 Schalen die die Klinge "sandwichen" und einem aus 6060 Aluminium bestehenden Abstandshalter, in dem auch die vier Schrauben stecken, damit die Gewinde nicht ins G10 Material geschnitten werden mussten und deren schnellen Verschleiß verhindert. Vorteil: Das Messer ist für die Größe sehr leicht. Nachteile konnte ich bis jetzt noch nicht ausfindig machen und viele andere auch nicht, die ihr Lawman schon "vergewaltigt" haben.



Die Klinge des Lawman ist eine Drop Proint Klinge mit sehr hohem Hohlschliff, der fast schon ein Flachschliff ist. Mit dem Hohlschliff lässt es sich hervorragend schneiden. Der Klingenrücken ist 3mm breit und zur Spitze hingehend wird er schmaler. Breit genug damit die Klinge nicht allzu schnell bricht. Vom Werk aus kam das Messer gut scharf an und die Schneide wurde auf beiden Seiten schön gleichmäßig geschliffen. Durch die Drop Point Klinge erreicht man gute Stech-Eigenschaften und die gebogene Schneide bietet gute Schneid-Eigenschaften.
Die Klinge ist mit einer schwarzen Teflon-Beschichtung überzogen, die gegen Rost wirken soll. Die Beschichtung nutzt sich allerdings sehr schnell ab. Ebenso die Teflon-Beschichtung der Einrast-Wippe.

Wem die Teflon-Beschichtung nicht zusagt, kann diese abkratzen oder mit einem Lösungsmittel entfernen. Darunter verbirgt sich eine schöne silberne Klinge mit Stonewash-Finish.

Die Klinge besteht aus dem japanischen AUS-8 Klingenstahl, welches das Äquivalent zum amerikanischen 440B Stahl ist. Dieser Stahl hat Vor- sowie Nachteile. Erstens rostet er ziemlich schnell und zweitens ist er weich. Die Schnitthaltigkeit leidet darunter.
Vorteile sind das schnelle wieder Scharfbekommen und natürlich der Preis. Ferner ist durch die Zähigkeit von AUS-8 der Stahl nicht so brüchig. Die Schneide wird nicht so schnell beschädigt als bei härteren Stählen. Letzterer Punkt ist auch der Grund wieso Cold Steel diesen Stahl benutzt. Zumindest ist es der Grund, den sie angeben. Cold Steel behauptet zwar, ihren AUS-8 Stahl einer besonderen Hitzebehandlung zur Erhöhung der Materialhärte zu unterziehen aber AUS-8 bleibt AUS-8.

Zwischen der Klinge und den beiden G10 Schalen befinden sich jeweils auf beiden Seiten zwei Unterlegscheiben, damit sich die Klinge geschmeidiger im Griffstück bewegen kann. Nämlich eine Bronze-Unterlegscheibe zur Griffschale hin gerichtet und zwischen Bronze-Scheibe und Klinge zusätzlich noch eine dünne Nylon-Unterlegscheibe.





Der Daumenpin zum einhändigen Öffnen des Messers lässt sich mit einem Schlitzschraubendreher entweder für Linkshänder auf die rechte Seite verlegen oder komplett entfernen. Dies ist für uns ganz nützlich, denn somit lässt sich das Messer in Deutschland legal führen.



Der Hosenclip besteht aus Edelstahl und wurde ebenfalls mit einer Teflonschicht überzogen. Der Clip ist mit drei Torx-Schrauben am Messer befestigt. Vom Werk aus kommt das Messer mit dem Clip für Rechtshänder montiert am Messer. Ein zweiter Clip für Linkshänder wird mitgeliefert. Der Clip lässt sich auf beiden Seiten des Messers nur für die "Tip-Up" Tragweise befestigen. "Tip-Down" gibt es bei diesem Messer nicht.
Der Clip sitzt sehr stramm am Griffstück und am Anfang wird man ein Problem haben, das Messer an die Hose zu befestigen. Am besten biegt man den Clip einmal kurz nach oben. Vielleicht sollte man unter dem Clip auch das Checkering mit Schleifpapier ein wenig glätten...

Eine Öffnung im Griffstück ist ebenfalls vorhanden um daran ein Schlüsselband o.ä. zu befestigen.







Handhabung des Messers

Am Anfang wird man denken, dass sich die Klingenverriegelung nicht per Hand eindrücken lässt, da erstens die Wippen-Feder extrem stark ist, zweitens die Wippe selber relativ kurz ist UND drittens die einzelnen Teile sehr enge Passungen haben. Dies legt sich aber mit der Zeit.
Die Klingenverriegelung macht einen sehr robusten Eindruck, der mich auf jeden Fall positiv stimmt, wenn das Messer mal für mehr als nur "Papierschneiden" benutzt wird. Von Werk aus gab es absolut kein Klingenspiel - weder Seiten- noch Höhenspiel.
Man sieht auch wie tief die Klinke der Einrast-Wippe in die Klingen-Rast eingreift, wenn das Messer zur Hälfte geöffnet ist. Man muss die Einrast-Wippe ein ordentliches Stück reindrücken, damit die Klinge endlich aus der Verriegelung genommen wird. Man macht einen kleinen Tausch zwischen Bedien-Komfort und Verriegelungsstärke.

Auf den unteren drei Bildern ist der zusätzlich angebrauchte Stop-Pin zu erkennen, der ein Lösen der Klinge aus der Rast bei Erschütterungen verhindern soll.







In der Hand fühlt sich das Messer dank des abgerundeten Griffrückens sehr gut an. Auch der Hosenclip stört bei festerem Zupacken nicht. Das Lawman hat am Griff eine Mulde, um ein Abrutschen der Hand auf die Klinge zu verhindern und zusätzlich einen Fehlschliff, in dem man seinen Finger legen kann und das Messer weiter vorne für feinere Arbeiten anfassen kann. Es gibt kein Checkering auf dem Klingenrücken, nur sechs kleinere Ausschnitte weiter vorne auf dem Griffrücken, die aber genügend Halt für den Daumen bieten.










Das Cold Steel American Lawman macht einen robusten Eindruck auf mich und werde dieses Messer deswegen auch für härtere Aufgaben dabei haben, gerade auch weil es bei dieser Größe so leicht ist. Auch die Verarbeitung entspricht meinen Erwartungen. Einzige Kritikpunkte die ich habe sind der Klingenstahl und die doch sehr raue Oberfläche der G10 Schalen. Ich würde mir ein American Lawman mit mindestens AUS-10 (440C Niveau) wünschen, vielleicht auch mit VG-10 (ist vermutlich zu teuer) und einer nicht so rauen Oberflächentextur der Schalen. Ich habe aber gehört, dass nach längerer Benutzung das Checkering von sich aus "abstumpft" und kein so nerviges Problem mehr darstellt. Die Bedienung der Verriegelung am Anfang ist etwas hakelig, wird mit der Zeit aber geschmeidiger.

Mal abgesehen von meiner Kritik, macht das Messer auf jeden Fall einen guten und vor allem für mich sehr wichtigen Eindruck auf mich - nämlich grundsolide und die hoffentlich hohe Zuverlässigkeit der Verriegelung.



Stand des Testberichtes 15.04.13

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »bfgguns« (15. April 2013, 12:55)


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